weit man es wagen dürfe, sich mit Kleist um Ihr Herzeinzulassen. Es sind schon bald dritthalb Jahr (da ich seinenFrühling zuerst las), daß ich gegen Kleist einen viel be-stimmteren Hang meines ganzen Herzens empfinde, als mansonst gegen noch ungeschne Freunde, wie edel man auch gegensie gesinnt ist, empfindet. Ich liebe ihn so sehr, daß ichbeinahe schüchtern werde, wenn ich mir vorstelle, daß Sieihm hiervon etwas sagen könnten. Und welch ein neuerWink des Himmels, daß wir Freunde werden sollen! Wirhaben in einer Sache, deren Namen ich mich nicht mehrgetraue anszusprechen, nur mit dem Unterschiede einerleiSchicksal, daß ich viel unglücklicher bin, als Ihr unvergleich-licher Freund. Wenn ich das Wort Lesen in recht eigentlichemund würdigen Verstände nehme, und Kleist einige meinermitternächtlichen Zeilen gelesen hat, so ist er mein einzigerLeser, der mich versteht.
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Klopstock an Bodmer.
Quedlinburg, den s. Juni 17»!> * (17S0).
Ich habe Ihnen gleich schreiben wollen, so bald ich hierangelangt senn würde. Aber Schmidt ist mit mir gereist;
* So sieht in den „Briefen berühmter und edler Deutschen" ic. DerInhalt des Brieses aber, nämlich Klopsiocks Entfernung von Langen-salza, welche im Frühling 17S0 geschah, sein Versah, zu Vedmerzu reisen, die Unterredung mit dem Abt Jerusalem, der AntragVernsierffS re. läßt bermuihen, daß er im I. I7so geschrieben scy.