kann auf eine gewisse Art gut schreiben, ohne daß man hof-fen darf, den Meisten zu gefallen. Gewisse Gedichte gehörenzu dieser Art. Der Cutzweck, den man sich bei denselbenversetzt, ist so beschaffen, daß man seiner verfehlen würde,wenn man nach dem Beifalle der Menge strebte. Doch als-dann schreibt man nicht für die Menge. Daß man aber sehroft auch für diese reden und schreiben müsse, das werden Siezugebcu, und wenn man das muß, so werden Sie wiedergestehen, daß man nicht schlecht schreiben dürfe. Sic wissen,daß Cicero oft an das Volk reden mußte; daß er alsdanngut redete, und sogut, daß er den Meisten gefiel. MoralischeSchriftsteller befinden sich in einem ähnlichen Falle.
Kliton. Ich leugne nicht, daß einige wenige Schriftenfür die Meisten geschrieben werden und gute Schriften seynkönnen. Dieß ist aber eine Ausnahme von der Regel. Ueber-haupt kann ein guter Skribent nicht weiter gehn, als Vie-len gefallen wollen, in welcher Art, es sey Prosa oder Poesie,er auch schreibe. Dieses wird nur alsdann falsch seyn, wennder gute Geschmack unter einer Nation sehr allgemein ist.Aber wie selten ist dieses! Glauben Sie, daß Cicero denMeisten durch seine Reden gefiel? Weil man einmal einso großes Vorurtheil so wohl für seinen Patriotismus alsfür seine Beredtsamkeit hatte; so bildete man sich ein, manwäre im Stande, ihm Beifall geben zu können. Man schriebsich einen Geschmack zu, den man nicht hatte, bloß um seinerNeigung gegen den Cicero zu folgen.
LyciaS. Vergeben Sie mir, daß ich Ihnen nur wenigvon Ihrer Antwort einränmen kann. Sie leugnen nicht,daß einige wenige Schriften für die Meisten geschrieben wer-den und gute Schriften seyn können, und geben dieß als eineAusnahme von der Regel an. Allein ich wollte lieber dasKloy stock, vermischte Schriften. 21