Druckschrift 
10 (1844)
Entstehung
Seite
320
Einzelbild herunterladen
 

320

ich diese Dankbarkeit nicht haben kann, mögen sich gegen micheinnehmen lassen. Wer sich durch solche Kritiken einnehmenläßt, den kann ich ohnedieß nicht durch Widerlegungen zurückbringen.

Lycias. Cs ist aber doch, der Folgen wegen, besser, alsIhr Urtheil für sich zu haben. Die erste Klasse pflegt, wassie über gewisse Beurtheilungen denkt, aus eben dem Grunde,nicht zu sagen, aus dem Sie sich nicht vertheidigen mögen.Die andern sprechen vielleicht eher, wenn sie nur erst durcheine gute Widerlegung zurückgcbracht sind. Und warum soll-ten sie sich nicht znrückbringen lassen? Ueberdicß müssen Siebedenken, daß sie diesen mehr nützen können, als jenen, unddaß solches eben deßwegen Ihre Absicht seyn müsse.

Kliron. Ich st'he nicht ein, warum die erste Klaffe ihreMeinung über gewisse Beurtheilungen nicht sagen sollte.Wenigstens ist jener Stolz nur selten die Ursache von ihremStillschweigen. Doch eh wir weiter gehen, müssen wir fest-setzen: Ob es möglich sey, diese beiden Zwecke zugleich zuerreichen, nämlich: Gut zu schreiben; und den Meistenzu gefallen. Denn wenn man nur für Viele und nicht fürdie Meisten schreibt; so weiß man, daß der Kritikus seineOberrichter hat, bei denen seine ungegründetey Vernrthei-lungen dem Skribenten nicht nachtheilig sind. Hernach könnenwir ausmachen: Ob ein Skribent in einem solchen Tone sichselbst vertheidigen könne, daß sein Kritikus genug wider-legt wird.

Lycias. Warum die Richter der ersten Klasse schweigenwürden, das ließe sich zwar erklären; aber ich will mich nichtweiter darauf einlaffen, weil wirklich viel auf eine richtigeEntscheidung ihrer Fragen ankömmt. Die erste, deucht mich,braucht einer sehr genauen Bestimmung. Ich gestehe, man