Druckschrift 
10 (1844)
Entstehung
Seite
322
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Gegenteil eine Ausnahme neunen. Denn wer bedarf wohlguter Schriften am meisten? Unstreitig diejenigen, die ammeisten Unterricht und Aufmunterung nöthig haben. Sonstgestehe ich, daß eine gewisse Parteilichkeit eine mitwirkendeUrsache von dem Beifalle gewesen seyn könne, den Ciceroerhielt. Allein ohne darauf zu sehen, wie allgemein schonder gute Geschmack unter den Römern war: so ist gewiß, daßes eine Art gut zu schreiben giebt, die so sehr selbst den ge-meinsten Einsichten angemessen ist, und mit den wesentlichenNeigungen der menschlichen Natur so sehr übereinstimmt, daßsie leicht von allen empfunden werden kann. Die meistenWahrheiten haben so viel eigentümliche Schönheit, daß sieallen gefallen müssen, wenn der Skribent nur seine Leser inden gehörigen Gesichtspunkt zu setzen weiß. Aus diesem Ge-sichtspunkt kann ein Kritikus sie verrücken, und zu ihremeignen Nachtheile, den er nicht achtet. Sollt es da nicht derMühe des Skribenten wert seyn, sie in denselben zurückzu-bringen? Ist er dieses nicht der Wahrheit und den Wir-kungen schuldig, die er durch eine richtige und gute Vorstel-lung derselben zu befördern wünscht?

Kliton. Ich glaube nicht, daß wir einander darin falschverstehen, daß unter uns nur von solchen Schriften die Redeist, die, in Absicht auf die Ausführung, der Beurteilungdes Geschmacks überlassen sind. Dieses vorausgesetzt, glaubeich noch immer, daß ich die Ausnahme da mache, wo siegemacht werden muß. Es sind, nach meiner Meinung, nureinige wenige Materien, die, in der Schreibart des Geschmacks,so ausgeführt werden können, daß sie den Meisten gefallen,z. E. gewisse Punkte der Moral, die weder viel Feinheit nochTiefsinn erfordern. Ein ganz anders ist cs, guter Schriftenam meisten bedürfen, und ein anders, sie genug verstehen