Druckschrift 
10 (1844)
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wobei ich, (nicht die Aufseherinnen,) dem geliebten Leser zuerwägen anheim stelle, daß es sich mit der völligen Entschei-dung noch ein wenig anders verhalte.

Den 23sten Junius.

Soll ich einen Mann heirathen, der mich, wie ich glaube,liebt; den ich liebe? Wie sehr lieb'ich ihn! Einen Mann,der ein Freigeist ist, und den ich zu einem Christen zu ma-chen hoffe? Nur eine Sache schwächt diese Hoffnung einwenig. Cr ist sehr beredt. Aber wenn ich seinen Beweisenihr schönes Kleid ausziehe; so sind sie eben so stark nicht.Diese Sache macht mich so ernsthaft, daß ich schon etlicheNächte nicht geschlafen habe.

Lucinde.

Man kann das Unglück haben, einige Zeit ein Zweiflerzu seyn; aber man ist mehr als unglücklich, wenn man einFreigeist ist. Wie können Sie, Lucinde, einen Freigeistlieben? Wir glauben, daß Sie die eigentliche Bedeutungdieses Wortes wissen. Sie sind nicht in ihn verliebt; undSie lieben ihn, einen Mann, den Sie vermnthlich nichtin jener Welt antreffen werden? Welch ein fürchterlicherGedanke für die wahre Liebe! Doch Sie hoffen ihn zu einemChristen zu machen. Hiervon hernach. Aber sagen Sie, wieist es Ihnen möglich, einen Freigeist zu lieben? Die ei-gentliche Liebe setzt, wo nicht vortreffliche, doch gute Eigen-schaften voraus. Wer diese nicht hat, kann nicht lieben, undgeliebt werden. Sie werden uns doch zugestehn, daß einFreigeist aufs höchste nur einige scheinbar gute Eigenschaften