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Daher kömmr es, daß er theils weniger ansgebreitete Aus-sichten in die Gegenden des Schönen vor sich hat, theils nichtohne einen gewissen, oft liebenswürdigen Eigensinn ist, sichans diese oder jene Seite partheiisch zu lenken. Er verfälltunterweilen in den Fehler, die höhere und eigentliche Kritikmit denjenigen gewagten Urtheilen, die wir in den meistenLehrbüchern finden, zu vermengen, und durch diesen Ge-danken unvermerkt verleitet, seiner bloßen Empfindung zuviel Gewißheit zuzutrauu. Aber da er dennoch bei sich ent-deckt, daß sein Geschmack noch hier und da irren könne; soentsteht eine Neigung bei ihm, dem Urtheile desjenigen, dener für einen Richter erkennt, nachzugeben. Ich meine nicht,daß er sein eignes Urtheil von den Aussprüche» dieses Rich-ters abhängen lasse, er wird aber doch dadurch nicht seltenveranlaßt und geleitet.
Dieses habe ich voraussetzen müssen, um mich umständ-licher zu erklären, auf welche Art das Publikum nach undnach bis zu dem Zeitpunkte fortgehe, da es, durch die mehrern,oder vielmehr beinahe durch alle Stimmeu sein letztes ent-scheidendes Urtheil spricht.
Jetzt, setze ich, wird eine Schrift, die das Publikum seinerAufmerksamkeit würdigt, herausgegeben. Andre Schriften,über deren monatliche, oder zwei dreijährige Dancr der großeHansen zu urtheilen hat, überläßt man den kleinen Zänkereiendesselben. Ein Werk von der ersten Art erscheint. DieRichter fangen an, ihren Ausspruch zu thun; auch einigeKenner erklären sich. Aber von diesen letzten, die den größtenTheil des Publici ausmachen, sind noch zu wenige, die esöffentlich thun. Das Werk ist noch zu neu, als daß dieWahrheit der ersten Aussprüche schon alle ihre Eindrücke ge-macht haben sollte. Unterließ verurtheilt der große Haufen.
Klopstvck, vermischte Schriften. 20