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oder in der Kolorite, oder in beiden, zn beurtheilen weiß.Weit entfernt ein Sklav gewisser allgemeiner Regeln zuseyn, die eben dadurch fast nichts mehr sagen, weil sie allge-mein sind, findet er die neue Regel zu der neuen Schönheitaus. Er thut hier nichts andres, als was Aristoteles, durcheben die Werke veranlaßt, auch gethan haben würde. Undda die Regel seit jeher auf das Meisterstück gefolgt ist; soveranlassen ihn zum Erempel Clariffa und Grandison, zuneuen Regeln. Auf der Seite, auf welcher ich ihn betrachte,ist es gleichgültig, ob er seine Urtheile sage, oder schreibe.Wenn er sie aber schreibt, so schreibt er selbst vortrefflich.Denn wenn er dieß nicht thäte, so würde er aufhören zuseyn, was er ist. Wofern er nebst diesem allen ein Herzhat, das ihn auf keine, auch nicht die unmcrklichste Art,verführt, unrichtig, oder klein zu denken; so ist er der würdigeMann, dessen Beifall immer der zweite Wunsch eines jedenSkribenten seyn wird, der, aus moralischen Absichten, schönzu schreiben sich bestrebt.
Ich habe mich schon erklärt, daß ich denjenigen Theil desPublici, dem ich den Namen der Kenner gebe, gar nichtweit unter die Richter setze. Es ist nur ein geringer Un-terschied zwischen beiden. Denn Verdienste gränzen immernahe an einander. Der Richter und der Kenner scheinenmir nur in folgendem verschieden zu seyn. Der Kenner istbei der praktischen Ausbildung seiner angebornen Fähigkeitzum Geschmacke stehn geblieben. Und wenn er auch bisweilenauf dem Wege der Untersuchung einige Schritte weiter ge-gangen ist; so hat er sich doch demjenigen hohen Grade derGewißheit nicht genug genähert, welchen die Verbindungdes durch Muster genährten und gereiften Geschmacks mitder tiefsinnigen Einsicht in die Grundsätze, allein erreicht.