290
Verlangen, meine gerungne, emporgehobne Hand, die Thränenmeiner heiligen Pflicht bringen himmlische Freude in meinHerz! Ich bin ganz freudig! Ich fühle es! ich fühle es! hierin meinem schlagenden Herzen fühle ich es, daß ich rechtthun will! Und du wirst meine tiefe Anbetung erhören, odu großer Menschenfreund! Du Schöpfer! Du Freund derErschaffnen! Darum flehe ich dich nicht an, daß du mich vomKriegsblute rein erhaltest! Du kennst den ganzen Ekel meinerSeele vor dem stolzen Erobrer, und meine Verachtung gegenihn! Du weißt, wie mein Herz vor dem todtenvvllen Gefildeschauert, und wie ich ihn hasse den Lorbeer, der ans Blutecmporwächst! Aber wenn ein solcher Ungerechter kömmt, undmein theures Volk tödtcn will, denn will ich vor ihnen her-ziehn, und mit ihnen bluten! Und der Ungerechte soll sehn,daß der Gott der Könige und der Menschlichkeit mit mir ist!Das ist die Wonne meiner Seele, daß dein Auge meineMenschlichkeit sehn, und deine Weisheit mich immer lehrenwird. Auf diesen Felsen trete ich sicher und jauchzend hin,und bin der Glückseligste unter den Menschen! Und nun sollmein ganzer Jubel vor dich hinströmen, daß du mich soglückselig gemacht hast. Aber mit welchem Namen soll ichsie nennen, alle die Freuden, die meine Seele füllen? Undich bin (ich werde es ewig in meinem dankenden Herzenwiederholen!) ich bin, vor diesen tausendmal Tausenden, be-stimmt, erwählt, auserkoren, von Gott anserkohren, siealle zu Glückseligen zu machen? ich? — Welch ein weiter,offner Schauplatz! Welch eine Aussicht der Wonne! O, ichlasse dich nicht, mein Schöpfer und Gott! ich lasse dich nicht,du segnest mich denn mit der Glückseligkeit aller, über diedu mir diese hohe Gewalt gegeben hast! Einem sterblichenMenschen ist eine solche Gewalt gegeben? Ach, einer, der im