Druckschrift 
10 (1844)
Entstehung
Seite
245
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bei einem Gemälde, geweint? Die Musik allein nähert sichuns hier.

Jede Geschichte, die ihr vorstellt, ist, und muß die Ge-schichte eines Augenblicks seyn. Welche Reihen von ähnlichen,und oft schönen Augenblicken verbindet die Aeneis! WelcheMenge von Meistern müßte es seyn, die sie malen wollten!Wie lange müßten sie leben, um es zu thun! Und würdederjenige, der die Aeneis nicht gelesen hätte, sie gesehen haben,wenn er durch diese unendlich lange Gallerie gegangen wäre?Wie viel Neues, wie viel von euren Meistern ungesagtes,würde er finden, wenn er nun den Virgil läse!

Wenn wir überdieß behaupten, daß cs euren größtenMeistern unmöglich ist, dasjenige, was dem Verstände schönist, in irgend einer eurer Sprachen zu sagen; so werdet ihruns zwar antworten, daß es euer Geschäft nicht sey, dieWahrheit auszudrücken: Aber hört der reizende Ausdruckder Wahrheit dadurch auf, ein Verdienst zu seyn, weil esüber eure Sphäre ist, sie vorzustellen? Könnt ihr, weil ihr,weder durch Abbildungen, noch durch'Töne, wie unser Uvungzu denken vermögt, deßwegcn leugnen, daß das, was er ge-dacht hat, nicht von der Nachwelt gedacht zu werden verdiene?

Aber wir eilen zu dem wichtigsten von dem, was wir füruns zu sagen haben. Unsre Verdienste um die Ausbreitungder Tugend sind viel größer, als ihr auch denn, wenn ihres mehr wolltet, hier jemals haben werdet. Wir sind vielnützlicher, als ihr. Die Menschen moralischer zu machen, istund soll so sehr unsre Hauptabsicht seyn, daß wir unsrer Nei-gung, zu gefallen, nur in so fern folgen dürfen, als sie unszu diesem letzten Endzwecke führt. Wir erniedrigen uns undwir sind nicht mehr schön, wenn uns die moralische Schön-heit fehlt. Die große Nation, die chmals so viel von der