Druckschrift 
10 (1844)
Entstehung
Seite
235
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der Schrift dazu veranlaßt werden, mit Demnth vermuthen.Aber sowohl in Betrachtung dessen, was wir für eine ver-innthliche Wahrheit, als auch dessen, so wir für eine gewissehalten, scheint cs, daß der Verfasser deS heiligen Gedichtssich Folgendes zur Regel zu machen habe. Die moralischeWahrheit der Bibel, besonders da, wo sie eine Stufe hoher,als die philosophische, steigt, muß in ihrer vollen Stärke ge-sagt werden; aber nicht mürrisch und trübsinnig. Die Offen-barung ist beides nicht. Sie ist voll Ernst. Einige heiligeBegebenheiten lassen eben so wenig eine Ausbildung zu, alssie andre zu fodern scheinen. Die Stelle:Die Gräber thatensich auf, und stunden auf viele Leiber der Heiligen, die daschliefen; und gingen aus den Gräbern nach seiner Anfer-stehung, und kamen in die heilige Stadt, und erschienenvielen." Diese Stelle ist von der letzten Art. Wo eineAnwendung der Prophezeiung nöthig seyn sollte; so hat siekeine andre Regel, als die allgemeine Regel der Schristans-leger, die sie dabei zu beobachten haben. Nur müßte derDichter die Erfüllung in eben dem Tone beschreiben, in wel-chem der Prophet die Begebenheit vorher verkündigt hat. DieGeheimnisse sind dasjenige, was mit der meisten Einfalt ge-sagt werden muß, außer wo sie, daß ich so sage, zu Bege-benheiten werden. Alles, was der Messias thnt, istGeheimnis, weil er der Gvttmensch ist, aber dennoch ist cszugleich historisch. Bei den vermischten Geheimnissen, zumErempel, bei der Ordnung, in welcher der Mensch selig wer-den soll, ist dem Dichter vorzüglich die äußerste Sorgfaltnöthig, seiner großen Wegweisern:, der Offenbarung, zufolgen.

Da ich vorher sagte, der Dichter müsse der Religionnachahmen, wie er der Natur nachahmen soll; so meinte ich