Gewisse Wahrheiten, deren völlige Erkenntniß uns in die-sem Leben noch nicht nothwendig ist, sind uns so offenbart,daß sie so viel Winke zu seyn scheinen, weiter über diese Wahr-heiten nachzudenken. Entdeckungen, die wir auf diese Artmachen, gehören in das heilige Gedicht. Und oft können wirErdichtungen darauf gründen.
Einige Kritici sind viel zu freigebig mit der Erlanbnißgewesen, nach welcher der Dichter, ans die Sage, in Absichtder Geschichte; und ans den Wahn, in Betrachtung derGrundsätze, fortbauen dürfe. Der Verfasser des heiligenGedichts muß hier vor allen andern Dichtern am behutsam-sten seyn.
Wenn alles dieß, was der Poet auf diese oder jene Artfolgert, oder hinzudichtet, demjenigen, was wir gewiß wissen,nicht allein nicht widerspricht, sondern auch in dem lichtvollenPlane der Religion kein zu dunkler Schatten ist; so hat ersich aufs wenigste bemüht, der Religion nicht unwürdig zudichten.
Dasjenige, was uns die Offenbarung lehrt, besteht, ausmoralischen Wahrheiten; aus Begebenheiten; ans Prophe-zeiungen; ans Geheimnissen; und aus solchen Stellen, wodas Geheimnißvolle mit jenen, besonders mit moralischenWahrheiten, vermischt ist. Ob gleich überhaupt dieses allessehr deutlich geschrieben ist; so giebt es doch auch viel tief-sinnige Stücke. Es ist sonderbar, daß die Ansleger eben sooft bei den deutlichen Stellen, als bei den tiefsinnigen, geirrthaben. Ich nenne schon Jrrthum, wenn man zuweilen dahundert Schritte sehn will, wo man nur einige sehn sollte,und wenn man sehn will, wo man nur glauben sollte. ImGegentheil nenne ich eine Vermuthung, als eine solche be-trachtet, noch nicht Jrrthum. Denn wir dürfen, wo wir in