Druckschrift 
10 (1844)
Entstehung
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Der Anstand oder die Würdigkeit, sowohl der handelndenPersonen als ihrer Handlung, ist vielleicht das schwerste indem heiligen Gedichte. Diese Schwierigkeit geht so weit, daßman mit vielen Gründen behaupten könnte, Gott gar nichtreden zu lassen.

Die Offenbarung selbst führt Gott ans doppelte Art redendein. Bald redet er ganz kurz, und ganz als der Schöpferund Richter der Welt; bald so erbarmend, daß er den Men-schen die Ursachen seiner Gerichte anzeigt, und die Bedingun-gen, unter welchen sie Gnade erlangen sollen, oft wiederholt.

Diese Würdigkeit soll sich eben so in den menschlichenBildern zeigen, durch die der Dichter die Handlungen Gottesvorstellt. Er muß hier mit genauer Sorgfalt in den Fuß-stapfeu der Offenbarung bleiben. Man könnte, den höchstenGrad dieses Anstands, Feierlichkeit nennen.

Eine Handlung, die an sich selbst wahrscheinlich ist, wird,durch den Mangel der Würdigkeit, unwahrscheinlich.

Diese Würdigkeit muß für die geringsten Personen desheiligen Gedichts einige Züge übrig haben. Und um ihreut-willen gehören weder gewisse Personen, noch gewisse Hand-lungen darein, die in andern epischen Gedichten einen Platzverdienten.

Die Geschichte ^der Bibel, besonders die, so das Innereder Religion näher angeht, enthält nur einige der großenThaten, die geschehn sind, und sie sagt uns selbst in ihrenstarken Ausdrücken, daß die meisten für uns (gewiß nur solange wir hier leben) verloren sind.

Einige andre entwirft sie mit so wenigen Worten, daßwir nothwcndig Umstände hinzudenken müssen, um sie unsvorzustellen. Dieß sind Gründe für die Wahrscheinlichkeit derErdichtungen überhaupt.