so feuert uns doch überhaupt das bewegte Herz an, schnell,groß und wahr zu denken. Welche neue Harmonie der Seeleentdecken wir dann in uns! Mit welchem ungewohntenSchwünge erheben sich die Gedanken und Empfindungen inuns! Welche Entwürfe! welche Entschlüsse!
Aber dieser unserer Erhebung hängt oft noch eine gewisseMittelmäßigkeit an. Wir fühlen's, wir wollten uns nochhöher erheben. Unsre Seele ist noch weiter. Sie kann nochmehr fassen. Uns fehlte die Religion noch. Wir waren nurnoch in der Sphäre, wo wir selbst die Wahrheiten erfundenhaben. Wie glücklich ist gleichwohl derjenige, der hier vielweiß, viel denkt, und viel empfindet. Aber wie glückselig der,der auch nur angefangen hat, die viel höhcrn Wahrheitender Religion zu verstehn, und zu empfinden.
Die Religion ist, in der Offenbarung selbst, ein gesundermännlicher Körper. Unsre Lehrbücher haben ein Gerippedaraus gemacht. Doch haben sie in ihren Absichten ihrengroßen Nutzen.
Der Verfasser des heiligen Gedichts ahmt der Religionnach; wie er, in einem nicht viel verschiedenen Verstände,der Natur nachahmen soll. Ob gleich die Offenbarung, inAbsicht auf die Lehren fürs Herz, nur auf dem Wege derNatur fortgegangen war; so ist doch ihr Mittel uns vonneuem glückselig und -tugendhaft zu machen, weit über dieNatur erhaben. Das heilige Gedicht ist auf einem viel höhernSchauplatze. Der Plan der Offenbarung ist seine erste Regel.
Ein Gedicht, dessen Inhalt aus gewissen Geschichten desersten Bundes genommen würde, müßte nach einer andernHauptidee gearbeitet werden, als eins, so das Innere derReligion näher anginge. Jenem wäre, wenn ich so sagendarf, noch in einer Art Weltlichkeit erlaubt.