Vorstellung am meisten rühren, zuerst zeigen. Die Stellen,wo in dem Gedichte die Einbildungskraft herrscht, sollen eingewisses Feuer haben, das sich der Leidenschaft nähert; eineneue Ursache, die Wörter anders, als nach der gewöhnlichenOrdnung der Prosa, zusammen zu setzen. Doch dürfen wir'shier nicht mit gleicher Kühnheit thuu. Eine fast unmerklicheVeränderung der Wortfügung möchte auch denen Stellenmanchmal angemessen seyn, wo wir zwar voruämlich be-schäftigt sind, den Verstand zu unterhalten, aber uns aucherinnern, daß wir es als Poeten thun müssen. Bisweilendarf uns sogar der dadurch zu erreichende Wohlklang ver-anlassen, die Wörter zu versetzen. Ich meine nicht, daß esgeschehen soll, den Vers bloß zu machen; sondern ihm durchdiese Hülfe eine gewisse glückliche Wendung zu geben.
Aber nicht allein die Wahl guter Wörter und die ge-änderte Verbindung derselben unterscheiden den poetischenPerioden von dem prosaischen. Es sind noch verschiedne vondenen anscheinenden Kleinigkeiten zu beobachten, durchweicheVirgil vorzüglich geworden ist, was er ist.
Ich nehme an, daß die Wörter des Perioden und dieOrdnung derselben, der Handlung, die der Periode aus-drücken soll, gemäß sind. Aber gleichwohl gefällt er nochnicht genung. Hier ist eine Redensart, wo nur ein Wortseyn sollte. Und nichts tödtet die Handlung mehr, als ge-wisse Begriffe in Redensarten ausdehnen. Cs kann auchbisweilen das Gegentheil seyn. Hier sollte eine glücklicheRedensart stehen. Der Gedanke erfordert diese Ausbildung.Dort sind die Partikeln langweilig, welche die Glieder desPerioden fast unmerklich verbinden sollten. Sie sind's unterandern, wenn sie zu viel Sylben haben. Ein: dem un-geachtet, könnte die schönste Stelle verderben. Sie sind'sKlopstvck, vermischte Schriften. 14