Druckschrift 
10 (1844)
Entstehung
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197
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Ganz was anders ist es übrigens, wenn der Dichter denangeführten Grundsatz mit einem Geiste anwendet, der esvermag; und wieder ganz was anders, wenn er sich bloslebhaft anstellt. Diese Geberdung verfehlt ihres Zweckesgerade zu. Es ist eins der tollkühnsten Wagstücke, dasich kenne, Leben, das man nicht mitfühlt, ausdrücken zuwollen.

2.Durch genau wahren Ausdruck der Leidenschaft."

Minna. Ach meine Italiener!

Selm. Nur dieß ist noch schwerer, als die planmäßigeWahl des Grades, den man der Leidenschaft zu geben hat.

Schwer ist jenes genau Wahre, weil der Dichter sich ge-freut haben muß, wenn sich der Zuhörer freuen, und geweint,wenn er weinen soll.

3.Durch Einfachheit und Stärke."

Diese muß aber eine wahre, und nicht Anstrengung seyn.Der Unterschied wird in seinen Wirkungen sehr auffallend.

Von der Einfachheit ist die Kürze niemals, und von derStärke nur selten trennbar.

Werth. Durch Hülfe der Kürze denkt oder fühlt manschneller.

Selm. Und diese Schnelligkeit vergrößert den Eindruckdes Dargestellten. Sie ist einer der wesentlichsten Punkte,worauf es ankömmt. Denken Sie sich den, der, sehr glück-lich oder sehr unglücklich, sich selbst etwas darstellt, wie dannAlles in seiner Seele fliegt!

Doch der Löwe wird nicht nur an der Klaue gekannt,sondern auch an der Mähne.

4.Durch Zusammendrängung des Mannichfaltigen."

Allein dieß muß nicht Ueberfluß seyn, und mit der mög-lichsten Sprachkürze ausgedrückt werden. Bei der Einfachheit