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Um die Sache völlig auf das Reine zu bringen, erinnereich noch daran, daß der Anssprechende viel an der Sylben-zeik verderben könne; und daß man der Sprache nicht zurLast legen müsse, was dieser versieht. „Das Ohr, sagtLongin, urtheilt, nachdem'^ die Stimme hören läßt. Dennwie bei Verlängerung oder Verkürzung des Schalles die Stimmedie Sylben bildet, so empfängt, und beurtheilt sie daSOHr."
In unsrer Sprache ist kein einsylbiges Wort kurz, dessenSinn die Länge erfodert. Die mehrsylbigen Wörter, diebei uns niemals aus lauter Kürzen und sehr selten auslauter Längen bestehn, haben die Länge oder die Längen,und die Kürze oder die Kürzen an der Stelle, wo sie, demSinne gemäß, hingehören.
Die griechische Sprache hat sehr oft die entgegengesetzteSylbenzeit. Man sieht unter andern hieraus, warum somanches unbedeutende Wort mit lauter Längen, und somanches bedeutende mit lauter Kürzen in dieser Spracheist. Dieß sind gar keine gute Wörter. Denn sie wider:sprechen sich selbst. Die von der ersten Art erfodern einestärkere Deklamation, als sich für den Gegenstand schickt; unddie von der letzten machen sogar, daß die Deklamation vonZeit zu Aeit wie verstummen muß.
So vortheilhaft ist es uns, daß unsere Sylbenzeit begriff-mäßig, und so nachtheilig den Alten, daß es die ihrigenicht ist.
Dieß ist von ungefähr die erste Hälfte der Schrift, dieich unter dem Titel herauszugeben vorhatte:
Vom deutschen Herameter. Worin die Schicklichkeit unsrerSprache zu diesem Sylbenmaße gezeigt, und seine Regelnaus den Grundsätzen der Versknnst hergeleitet werden.
Von der zweiten Hälfte folgen hier nur die meisten