125
Sylbenmaße der Alten auch die Aufnahme ihrer Quantitätverlangt wurde. Hierbei bedachte man dreierlei nicht. Eswar fürs erste eine Unmöglichkeit, was man durch die Ver-änderung der Quantität federte. Zweitens war es, im Falleder Möglichkeit, eine sonderbare Zumnthung, daß wir unsrebessere begriffmäßige Sylbenzeit gegen eine weniger gute ver-tauschen sollten. Drittens durfte mau uns dabei nicht vor-enthalten, welche Sylbenzeit wir zu wählen hätten, ob dierömische, oder die griechische.
Die Federung ist eine von denen Merkwürdigkeiten dergelehrten Geschichte, die zwar völlig unglaublich, aber dockwahr sind. Ich habe sie blvs als eine solche ausgezeichnet.
Man wird, denk' ich, nicht erwarten, daß ich von demetwas wiederhole, oder erweitere, was ich über die Beschö-nigung des jambischen Verses gesagt habe, die, in ihrer Art,beinah eben so merkwürdig ist, als die verlangte Verwand-lung unserer Sylbenzeit, in der ihrigen.
Da wir uns, indem wir die Länge aussprechcn, vvrnäm-lich bei dem Selbstlaute der Sylbe, und merklich wenigerbei ihren Mitlauten, am wenigsten bei den anfaugenden,aufhalten; so bekommt die Länge dadurch eine gehörige Größe,die zwar manchmal das Auge, welches doch hier nichts znentscheiden hat, aber nicht das Ohr zn groß findet. Dieseso beschaffne Länge stimmt eben so sehr mit dem starkenKlange unserer Sprache überein, als sie starken Gedankenangemessen ist.
Wir lassen den tonlosen Selbstlaut der nicht leichten Kürze,und mit ihm ihre Mitlaute so schnell fallen, daß sic dadurchkurz genuug wird. Allein wir haben auch eine Menge Kür-zen von so wenigen Buchstaben, daß sic, um leicht zu seyn,die Tonlosigkeit entbehren könnten.