103
unsere Sylbenzeit zu verändern, wenn wir Herameter ma-chen wollten. Denn was würden sic uns haben antwortenkönnen, wenn wir dann unsrerseits für den aufgenommenendeutschen Jamben z. E. folgende Sylbenzeit von ihnen ver-langt hätten:
Itelogiturque moi'ilo oa seiols.
Uebrigens dürfen sich unsre Zeiten gleichwohl nicht rühmen,die Entdeckung gemacht zu haben, daß, der Versart wegen,eine solche Verwandlung Vorgehen müsse, und wirklich vor-gehe. Der alte Conrad Gefiner, der sich schon vor vielenJahren an den Herameter wagte, hat sie gemacht. Ihr zu-folge besteht dieser Herameter:
Tönender sangen Verborgen von Büschen mit liebender Klageaus lauter langen Sylben.
Aus gleicher Ursach sind in folgendem Verse aus Uzendie bezeichneten Sylben lang:
Den Frühling, welcher anitzt durch Florcnö Hände bekränzet
Oder sollen sie knrz seyn? Wenn das ist; so haben wirgar für eine und eben dieselbe Versart zweierlei Sylbenzeit,der Alten ihre da, wo zwei sich folgende kurze Sylben hin-gehörcn; und unsre, wo Eine hingehört, nur daß wir derersten, bei Setzung der Einen Kürze, auch folgen dürfen.
Zu sagen, daß man nicht verlangen könne, irgend einesSvlbenmaßes wegen, die Quantität einer Sprache, wenn dießauch möglich wäre, zu verändern, gehört freilich zu demZweimal Zwei ist Vier der Grammatik; und wer würde soetwas, wenn er auch die Weitläuftigkeit liebte, aus der sei-nigen nicht weglassen; gleichwohl muß ich auch deswegen mich