Druckschrift 
10 (1844)
Entstehung
Seite
99
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Aber vielleicht gesteht man die seltne Ausartung ins Harteunserer Sprache nicht zu, und sagt, daß da, wo zwei Mit-laute vor oder nach dem Selbstlaute gehört werden, es oftsolche sind, die nicht gut zusammen stoßen. Gut denn, ichwill in Absicht auf selten geirrt haben, ich will oft geltenlassen. Aus meinem Geständnisse, das ich gleichwohl nur sohalb und halb, und aus übertriebner Liebe zur Gerechtigkeitgethan habe, folgt indeß nichts mehr, als daß Vortyeilhaftesund Nachtheiliges auf beiden Seiten von ungefähr gleich scy.Und doch furcht' ich beinah, (denn so sind wir Deutschen,immer gegen uns selbst!) daß man, wie sorgfältig ich auchdas Gesagte aus der Sprache selbst, und nicht aus parteiischenVorstellungen von ihr genommen habe, dennoch behaupte, sieverliere bei der Vergleichung. Allein weiß mau denn auch,welche schwer zu führende Erweise man sich durch die Be-hauptung aufgcbürdet hat? Keine leichtere, als: Die Aus-artung ins Weiche sey eine schöne Ausartung; und: DasSanfte habe den Vorzug vor dem Starken. Ich sage hier-durch nicht, daß ich dieses jenem vorziehe; ob ich cs gleichmit recht guten Gründen thnn könnte: aber das kann ichauch nicht zugestehn, daß man das Sanfte über das Starkesetze.

Der Vorzug des einen oder des andern muß durch dieBeschaffenheit der Gegenstände entschieden werden. Der Klangder Wörter ist Mitausdruck. Es kömmt also darauf an, obdie Gegenstände des sanften Mitausdrucks oder des starkenwichtiger sind.

Aber oft, sagt man mir, ist der Klang nicht allein nichtMitausdruck, sondern sogar daS Gcgcnthcil des Wortsinns.Weil in diesem Falle der Klang leerer Schall wird; so ist er