nicht hören lassen. Das Verfehlende der Deklamation ist demZuhörer, sobald es auf die Leidenschaft ankömmt, auch inseinen kleinsten Abweichungen, schon zuwider; allein wennsie nun gar die rechte Stelle verfehlt? Ganz was anders istes zwar, wenn sie gar keine Stelle findet, und deßwegen aufeinmal wie verstummen muß; aber weniger zuwider ist esdem Zuhörer gewiß nicht.
Man giebr durch die Art, mit der man, in Ansehungder Sylbcnzeit, bei uns die Alten vorliest, oder Reden inihren Sprachen hält, der Prosa und dem Verse einen ganzandern Gang, als sie haben. Gleichwohl würde derjenige,der es anders machte, für einen Sonderling gehalten wer-den, und in einer großen Versammlung die prosodisch rich-tige Aussprache, gewiß nicht ungestraft wagen. Denn dieZuhörer mögen eine Aussprache, die ihnen sogar Numerusund Splbenmaß zerstört, dennoch lieber hören, als eine, dieso oft wider den Sinn und die Leidenschaft ist, oder gar übersie weghüpfen muß.
8. „Der Takt unserer Sprache begnügt sich meist mit„ganzen, und halben, und nur sehr wenigen viertel Schlägen,„und kann cs daher der griechischen in ihrem viel theilbarereu„Takte mit all seinen halben, viertel, achtel und sechzehntel„Schlägen nicht nachthun, noch die Mensur eines jeden Hera-„mcters solchergestalt ausfüllen, daß cs weder zu viel uvch„zu wenig ist. In dieser Mensur läßt die griechische Sprache„nicht die kleinste Lücke, die sie nicht, ohne nur um ein Här-„chen zu überfüllen, auf das genaueste ausfüllcn könnte. Dieß„Geschick hat sie ihrem so sehr ins Kleine und Feine gethcilteu„Takte zu verdanken."
Die griechischen Längen sind also halbe Schläge, oderViertel, und die Kürzen Achtel oder Sechzehntel.