Ich komme zur Hauptsache der Sylbenzeit, nämlich zuden unveränderlichen Längen und Kürzen.
Man stelle sich einmal vor, in welchen Strömen des Bei:falls wir uns über die begriffmäßige Sylbenzeit ergießenwürden, wenn sie der Alten ihre wäre; und mit welcherGeringschätzung wir die mechanische, wenn sie die unsrigewäre, beekeln würden!
Ich wende mich zu den Unpartheiischen. Au diesen rechneich auch die, welche bei Begünstigung der Alten wenigstensnicht wider uns Parthei genommen haben.
Die Länge entsteht durch Anhalten, und durch Anstren-gnng der Stimme, die hierbei nothwendig muß erhobenwerden. Wenn wir sagen, daß die Länge den Ton habe, someinen wir die Erhebung der Stimme. Das Anhalten er-fordert eine gewisse Zeit, aber daß die Stimme währenddieser Zeit angestrengt oder erhoben wird, ist das Wesent-lichste bei der Sache. Ist die Dauer des Wortes See wohlviel größer, als der Sylbe se in diese, oder des Wortesdrung, als der Sylbe drung in Wandrung? Und beiVergleichung des Wortes See und der Sylbe drung kannvollends das Ohr nicht einmal recht entscheiden, ob jeneseine etwas größere Dauer habe. Gleichwohl ist selbst hierder Unterschied zwischen Länge und Kürze sehr hörbar. Mankann also, denk' ich, daran nicht zweifeln, daß bei uns dieLänge, zwar auch durch die Zeit, in der man sie aussprichr,aber noch mehr dadurch entstehe, daß man diese Zeit überdie Stimme erhebt. (Bei den Griechen kam die Zeit mehrin Betrachtung, als ihr weniger erhobener Ton, den auchdie Kürzen, aber gleichwohl viele Längen nicht hatten. Hier-von hernach.) Unserm Ohre ist bei Hörung der Länge nichtso wohl daran gelegen, wie viel Zeit der Redende, sondern