erfordern, nicht thnn sollen. Unsre eingeführten langen Jam-ben, haben, außer der beständigen Einförmigkeit, den nichtweniger wesentlichen Fehler, daß sie aus zween kleinen Versenbestehn, und daß ein gewisser Abschnitt dieses zu selten hin-dern kann. Dazu scheint ihnen ohne den Reim etwas we-sentliches zu fehlen. Der zchnsylbichte Vers hat viel Vor-züge vor dem zwölfsylhichten. Er ist an sich selbst klingender,und überdieß kann man seinen Abschnitt verändern. CS istder Vers der Engländer, der Italiener, und auch einigerFranzosen. Selbst Milton und Glover haben ihn gebraucht.Er scheint aber gleichwohl für die Epopee zu kurz, und dießdoch nicht so sehr in der englischen, als in der deutschenSprache. Wem dieser Umstand zu unwichtig vorkömmt, eineRegel daraus zu machen, dem gestehe ich zu, daß der zehn-sylbichte Jambe die Wahl eines epischen Dichters verdiente,wenn der Hexameter unnachahmbar wäre. Der Trochäe istzu lang, zu schleppend, und in größer» Werken noch schwererauszuhalten, als der zwölfsylbichte Jambe. Was soll also derVerfasser einer Epopee wählen? Wenn ich nicht ganz irre;so muß er entweder nicht in Versen schreiben, und sich seineWorte wie Demosthenes, oder Fenelon von derjenigen Har-monie, welcher die Prosa fähig ist, zuzählen lassen; oder ermuß sich zu dem Verse der Alten entschließen.
Aber vielleicht ist in lyrischen Werken diese Entschließungnicht so nothwendig? Und wir können, ohne die Sylbenmaßeder alten Ode, Pindarisch oder Horazisch seyn? Ich gebe zu,daß unsre lyrischen Verse einer größer» Mannichfaltigkcitfähig sind, als die andern; daß wir einige glückliche Artengefunden haben, wo, durch die Abwechselung der längernund kürzer» Zeilen; durch die gute Stellung der Reime; undselbst manchmal durch die Verbindung zwoer Versarten in