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wenn wir Eine große Stadt in Deutschland hätten, die vonder Nation, als Richtcrin der rechten Aussprache, angenom-men wäre. Aber wir dürfen hierauf wohl itzt nicht hoffen,da Berlin eifersüchtiger darauf zu feyn scheint, den zweitenPlatz nach Paris, als den ersten in Deutschland zu behaupten.Gleichwohl liebe ich meine Landsleute so sehr, daß ich vonihnen glaube, daß sie in den Städten, wo es nicht mehrunbekannt ist, daß Achtung und Sorge für einheimische schöneWissenschaften eine von den vorzüglichsten Ehren einer Na-tion sind, sich bemühen werden, ihre Sprache recht auszn-sprechen; und, wofern sie sich auch hierin noch einige Nach-lässigkeit verzeihen wollten, doch, wenn sie öffentlich reden,oder gute Schriften in Gesellschaften vorlesen, sich selbst undihren Skribenten die Ehre erweisen werden, daß sie ihrevolltönige und mächtige Sprache richtig aussprechen.
Diese Aussprache vorausgesetzt, ahmen wir dem homeri-schen Verse so nach. Wir haben Daktylen, wie die Griechen,und ob wir gleich wenige Spondeen haben; so verliert dochunser Hexameter dadurch, daß wir statt der Spondeen mei-stentheils Trochäen brauchen, so wenig, daß er vielmehrfließender, durch die Trochäen, wird; weil in unfern Sylbenüberhaupt mehr Buchstaben sind, als bei den Griechen. Esist wahr, die Griechen unterscheiden die Länge und Kürzeihrer Sylben nach einer viel feinern Regel, als wir. Wennwir unsre Sprache nach ihrer Regel reden wollten, so hättenwir fast lauter lange Sylben. Dieses ist der Natur desGehörs zuwider, welches eine ungefähr gleiche Abwechselungvon langen und kurzen Sylben verlangt. Die Anssprachehat sich daher nach den Forderungen des Ohrs gerichtet. Unddieses ist biegsam genug gewesen, sich an die Kürze einesVokals zu gewöhnen, auf den zween oder auch wohl drei