320 <Z»
Altcnhain bekam. Auch Hannchen weinte dort und hieltihren Geliebten für untreu; denn sie schrieb eben so oftan ihn, und empfing keine Zeile von seiner Hand. Deralte Spitzbube hatte die ganze Corrcspondcnz vernichtet,und glaubte steif und fest, ein gutes Werk gethan zu haben.
So verstoßen sechs Wochen. Der Landesherr traf inder Residenz wieder ein. Ihn begleitete ein fremder Fürst,dem zu Ehren des folgenden Tages ei» freier Maskenballgegeben wurde. Diese Umstande wollten cs nicht gestatten,daß sich der Doktor sofort Gehör bei dem Herzog erstürmte,und die Sache hatte auch, da cs ihm jetzt wohlging, keineEile. Er verschaffte sich zur Maskerade zwei Einlaßkarten.Der schwermüthigc Robert hatte zwar keine Lust, sich un-ter fröhliche Menschen zu mischen, doch sein Hofmeisterzwang ihn dazu. Sic gingen in ein Haus, wo Maskcn-klcider verliehe» wurden. Ein türkischer Turban mit hohenFedern stach dem Doctor in die Augen. Er wollte dadurchseiner Länge eine Elle zusctzcn; aber der Trachtcnvcrlcihersagte lächelnd: „Zum Turban gehört ein morgcnländischcsGewand: doch nothwendig müßten Sie, mein Herr, zwi-schen jetzt und dem Abend fünfzehn bis zwanzig Zoll wach-sen, sonst Hab ich keins, das Ihnen paßt." — Diesen Scherznahm Herr Wurzel so übel, daß er den Turban, de» ereben in der Hand hatte, dem Witzling an den Kopf warfund eiligst davon lief. Zum Glück waren noch an einemander» Orte Redoutcnkleidcr zu bekommen. Hier wählteer eine Pantalonstracht, und die Besitzerin des Klcidcr-magazins, eine junge, lustige Frau, unterrichtete ihn, wieer, dem Charakter dieser Maske gemäß, mit kurzen schnel-le» Schrittchcn herumtrippeln müsse. Robert erkor sicheinen ganz einfachen rosenrothcn Domino, weil dicsHann-chens Leibfarbe war.