Druckschrift 
2 (1847) Thomas von Pampel. Unterhaltungen für müßige Stunden
Entstehung
Seite
308
Einzelbild herunterladen
 

---D 308

Robert nahm in ganz Menhain von niemand Abschied,als von Hannchcn; das war aber anch eine Scene, dievor lantcr Zärtlichkeit ins Komische fiel. Er gelobte seinerAuscrwähltcn auf den Knien, ihr ewig treu zn bleiben,und sogar, wenn er durch ein Wunder des Himmels re-gierender Fürst würde, seine» Thron mit ihr zu theilen.Sie wünschte dagegen herzlich, daß er in diesen Prüfungs-stand der Liebe gesetzt werden möge. So trennten sic sicham Vorabend der Abreise, und gaben sich die Hand darauf,recht fleißig an einander zn schreiben.

Am folgenden Morgen erschien Herr Wurzel vor RobertsWohnung mit einem kleinen Korbwagen, an den er seinenvielseitig brauchbaren Schimmel gespannt hatte. Das zwcrg-hastc Doktorchen und der zarte Schneider wogen leicht,waren auch mit wenig Gepäck und noch weniger mit schwe-rem Gcldc belastet; die Fahrt ging daher flüchtig überStock und Stein. Unter Weges ermangelte, der Doktorin keinem Gasthofe, wo sie einkchrtcn, die Wirthe zu fra-gen , ob sie nicht etwas Besonderes an seinem Gefährtenbemerkten. Sie starrten den schamrothcn Klcidermachcr anund erklärten ihn dann insgcsammt für einen gewöhnlichenMenschen, dergleichen sie schon Tausende gesehen hätten.Da lächelte Herr Wurzel gar spöttisch und sagte:lieberein Kleines werdet Ihr aus der Residenz ein wunderbaresGerücht vernehmen, das Euch eines Bessern belehren wird." Die schlauen Gastwirthc zogen aus diesen dunkeln Wortenden Schluß: cs müsse doch wohl eine hohe Person unterder ärmlichen Hülle verborgen scpn, und ließen sich nunDach und Fach und Speise und Trank so thcucr bezahlen,daß die Reisenden mit ganz erschöpften Beutel» in derHauptstadt anlangtcn. Robert war darüber in Angst undSorgen, doch sein Mentor versicherte tröstlich: er habe in