Druckschrift 
2 (1847) Thomas von Pampel. Unterhaltungen für müßige Stunden
Entstehung
Seite
283
Einzelbild herunterladen
 

o-D 283 <§->-

sen lebte die Dame aus ihrer theatralischen Erstarrungwieder auf, und ihr Gesellschafter, der gern des erfreulichenTodes völlig gewiß seyu wollte, lud sie ein, sich mit ihman den Strom zu begeben.

Da lag den» wirklich am Ufer ein aus dem Wasser ge-zogener Leichnam, den Beide für ihren Vetter erkannten.Die Verwesung hatte zwar schon das Gesicht angegriffenund etwas zerstört; doch die ganze Gestalt, und besondersdie Kleidung, bewiesen unwidcrsprcchlich, daß Arnold derVerunglückte sep. Ihn umhüllte derselbe braune Frack, dener gewöhnlich trug, und den, nebst den übrigen Kleidungs-stücken, sein Lcibschncidcr, der sich unter dem versammeltenVolke befand, für Schöpfungen seiner Hand erklärte. Aberden Hauptbcwcis, daß man sich in der Person des Er-trunkenen nicht irre, gab das Hemd, das mit ArnoldsNamen bezeichnet war.

Bei diese» Umständen hielt cs Ulrike für eine heiligePflicht, ein ehrenvolles Begräbnis» zu besorgen. AberKiesling, mit dem sic nach der Rückkehr in ihre Wohnungdarüber sprach, behauptete: ein muthmaßlicher Selbstmör-der scp cs nicht wcrth, daß man sich seiner annchmc;man müsse ihn ganz vcrläugnc», und cs der Obrigkeitanheim stellen, ihn unter die Erde zu bringen.Himmel!"rief Ulrike,wie könnt' ich ein solches Kieselhcrz haben?Wie könnt' ich den Mann ohne Sang und Klang an derKirchhofsmauer verscharren sehen, der wahrscheinlich ansVerzweiflung in die Fluthen sprang, um das Feuer einergeheimen Leidenschaft zu löschen?" Kiesling klotzte siean und fragte, was sie mit diesen dunkeln Worten sagenwolle.Das begreift so ein Eisbär, wie Ihr, freilichnicht!" antwortete sic.Aber ich weiß cS leider nur zugewiß, daß ich, obgleich schuldlos, Arnolds Mörderin bin.