-»D 281
tcn an einer kleinen/ nur aus drei Personen bestehendenFamilicntafel zusammen. Jeden ersten Feiertag machte seinMühmchc,,/ Ulrike Rebhuhn, die Wirthin; den fol-genden Tag gab Vetter Kiesling ein Gastmahl von dreiGedecken, und am dritten Feiertage erwicdcrte Arnold Glei-ches mit Gleichem. Bei diesem letzter» Schmause wardaber mehr gegähnt, als gesprochen, weil Wirth und Gästeden seichten Born ihrer Unterhaltung schon in den vorigenTagen erschöpft hatten.
Ulrike war eine vierzigjährige Jungfrau, die jedoch dasGelübde des ehrlosen Lebens noch keineswegs gcthan hatte.Es warben auch fort und fort, von ihrem nicht unbeträcht-lichen Vermögen angclockt, mancherlei Glücksjäger um ihreHand; aber sic hütete sich, ihr gutes Gold gegen die falscheMünze der Licbcshcuchclci umznsetzen. Im Gegcnthcil wolltesic selbst durch Hcirath ein ansehnliches Aufgeld gewinnen.Zu dieser Absicht hatte sic den reiche» Arnold scharf aufdem Korne, und legte cs seit viele» Jahren zu Ostern undPfingsten darauf an, daß er ihr sich und seine Habe zumWeihnachtsgeschenk darbringcn sollte. Doch der kalte Mannblieb immer abgeneigt, sic durch diese Bescherung zu er-freuen. Er bemühte sich vielmehr, den Vetter Kieslingzum Blitzableiter ihrer Zärtlichkeit zu brauchen. Aber diesergeizige Cynikcr, der sogar das Waschwasser schonte, warder zierlichen Ulrike ein Dorn im Auge. Er schlotterte be-ständig, seinen Verwandten zur Schande, in geschmacklosenKleidern herum, kaufte bei öffentlichen Versteigerungen, dieer täglich besuchte, alles alte Gerümpel, das er wohlfeilerhalten konnte, und schämte sich nicht, einen erobertenBorstbcscn oder eine Ofengabcl selbst nach Hause zu tragen.
Einst gegen Ostern, als Ulrike schon zu dem gewöhnli-chen Gastmahlc die nöthigen Zurüstungcn machte, verschwand