Druckschrift 
2 (1847) Thomas von Pampel. Unterhaltungen für müßige Stunden
Entstehung
Seite
280
Einzelbild herunterladen
 

VI.

Bestrafte Ruhmredigkeit.

Herr Arnold, cm unvcrhcircithctcr Mann von einigendreißig Jahren, besaß in einer volkreichen Stadt ein schö-nes Hans, das wir mit einer Symphonie von Mozartoder einem andern berühmten Tonkünstlcr vergleichen wol-len, weil wir die neuerlich verkündigte ästhetische Lehre, daßdie Bankunst gcfrornc Musik scy, in gläubiger Dc-muth annchmcn. Arnolds steinerne Symphonie war einWerk von solchen: Umfange, daß zehn Familien darin Platzgehabt hätten; er aber breitete sich in dem weiten Raumeganz allein aus, und zeigte sich meistens den ganzen Tagmit einem Buche in der Hand am Fenster. Mit dem Schlageder Mittagsstunde ging er sehr sauber gekleidet in einöffentliches Gasthaus, nahm dort, getrennt von den übri-gen Gästen, in einem einsamen Zimmer seine Mahlzeit ein,und eilte dann, ohne mit Jemand ein Wort gewechselt zuhaben, in sein Kloster zurück.

Aus dem allen ergibt sich, daß er ein ungeselliger Son-derling war. Er hatte keinen Umgang als mit seinen Ver-wandten; und auch mit diesen kam er einzig und alleinan den hohen Festen, zu Ostern, Pfingsten und Wcihnach-