Freund!" rief Rohrdommel. „Ich kann Euch nicht helfen,ich mnß Euch stören; mein Anbringen leidet keinen Verzug."
„Und worin besteht cs denn?" fragte Wipper.
„In der kurzen und rnndcn Bitte, Eure Mündel demBurschen da znr Frau zn geben." —
Der Vormund erstarrte zu einer Säule und sah demFrciwcrbcr steif in die Augen.
„Macht geschwind! Euer Essen wird kalt."
„Wohl wahr!" sagte Wipper mit einem sehnsüchtigenBlick nach der Schüssel. „Drum scheint mir Euer Scherzsehr zur Unzeit angebracht."
„Ei, znm Teufel! wer scherzt denn?"
„Wer kein Narr ist!" versetzte der Vormund ganz barsch.„Denn nur ein Narr könnte im Ernst von mir fordern,ein Mädchen mit zwanzig tausend Thalern einem fremden,gemeinen Soldaten an den Hals zu werfen."
„Nun, ich bi» der Narr!" schrie Rohrdommel. „Jchsordre das im Ernst, und ich rath' Euch, Alter, sprechtmir nicht verächtlich von meinem Neffen!" —
Ein schrecklicher Blitzstrahl erhellte jetzt dem Vormundedas Dunkel der Geschichte. Er sah mit Entsetzen, daß derWolf in de» Schaafstall geschlichen war, und sträubte sichmit den heftigsten Worten und Gcberdcn, ihm das geliebteLämmchen zu überlassen. „Und wollt' ich auch cinwilli-gen," sprach er am Ende, „so bin ich doch fest überzeugt,daß die verständige Julie die Hand des jungen Abenteu-rers ausschlagen und sich lieber mit einem gesetzten Mannevon reifcrm Alter verbinden wird. Nicht wahr? meinLiebchen!"
Er blickte sie bei diesen Worten zärtlich an und strei-chelte ihr die Wangen; aber sic schlug die Angen niederund schwieg.