-<^D 232
wackcrn Jungen nichts Böses nachzusagcn und kannte ihnnicht einmal von Person. Er wollte durch seine hartenMaßregeln nichts anders bewirken, als daß sich die junge,blühende Gefangene entschließen sollte, mit ihm, einemgichtbrüchigcn Greise, vor den Altar zu treten und ihndadurch der Ansantworinug ihres beträchtlichen Vermögens,in welches er brünstig verliebt war, zu überhcbcn.
Von dieser selbstischen Absicht stand freilich im Proto-kolle des VormundschaftSamtcs kein Wort. Da war nic-dcrgcschriebcn: Herr Elias Wipper finde seine Mündelden größten Gefahren für ihre Tugend ausgefttzt, so langesic sich in dem Hause einer hochbctagtcn Matrone aufhaltc,die, mit Schwachheiten und Gebrechen beladen, zur Ehrcn-hütcrin eines siebzehnjährigen lebhaften Mädchens weniggeschickt ftp. Er trage dcßhalb, von seinem Gewissen ge-drungen, darauf an: daß Julie gerichtlich bedeutet werde,künftig im Hanse ihres Vormunds still und ehrbar znwohnen und allem Umgänge mit der Außenwelt zn ent-sagen.
Auf dieses Gesuch, das sehr billig und lobcnswcrth schien,erfolgte der erwünschte Bescheid, und der schlaue Meißner,der seinen Eigennutz so künstlich mit dem glänzenden Man-tel des Pflicht- und Tngendcifcrs verdeckte, ward nochLbcrdicß, als ein braver, gewissenhafter Mann, von tau-send Zungen gepriesen. Nur die getrennten Liebenden,die sich im Hause der Base täglich ungehindert gesehenund gesprochen hatte», durchschaute» und verwünschten ihn.Aber Julie mußte der gerichtlichen Anordnung gehorchen,und Eduard konnte nicht als ihr Verlobter öffentlich auf-trcten und sic in Schutz nehmen: denn, ohne Amt undEinkünfte, lebte er von den Wohlthaten eines begütertenOheims, den er einst, wenn er sich klug aufführte, beerbensollte.