-oD 210 E-o-
„Dafür hall' ich ih» selbst!" sagte Gerhard mit einem ern-sten Strafblick auf das schadenfrohe Lächeln des Finkcnrit-ters. „Und was wär's denn, wenn auch des Kerls gifti-ges Geschwätz einigen Grund hätte?" setzte der wackreMann huizu. „Es ist albern und schurkisch, verdienstvol-len Leuten ihre Herkunft vorznrücken. Ehre dem, der sichauf °einc redliche Art aus dem Staub erhob! Ein edlerWein, der sogenannte Strohwein, gewinnt seine Lieb-lichkeit dadurch, daß die Trauben, ehe sic gepreßt werden,einige Wochen auf Stroh liegen: — eben so reist auf demStroh der Armuth mancher treffliche Mensch, und einsolcher verdient wahrlich mehr Lob und Bewunderung alsei» Anderer, den das Glück auf Schwancnbettcn wiegte,und dem cs von Jugend an alles in die Hände gab, waser zum bequemen Anbau seines Geistes bedurfte." —
So sprach der Biedermann, und ehrerbietig hörte manihm zu. Der Doktor hielt cs für rathsam, sich nicht wei-ter über die Sache zu äußern. Spitzkopf nannte den Markt-schreier, als er hinausgcworfcn war, einen nichtswürdigenSchuft, und freute sich im Stillen des durch ihn erhalte-nen Sieges. Denn es schien ihm unfehlbar, daß Lottchcnsich von nun an den Doktor beständig im bunten Jäckchenund in der Narrenkappe vorstellen und einen solchen Ga-lan nimmermehr heirathen werde.