Druckschrift 
2 (1847) Thomas von Pampel. Unterhaltungen für müßige Stunden
Entstehung
Seite
83
Einzelbild herunterladen
 

-v^> 83 <§-«-

Dicß that er den nächsten Sonntag, verdiente sich aberschlechten Dank damit. Sic schalt den geistlichen Ciceroeinen irrgläubige» Neuerer, der die Pest der Ketzerei durchseine Lehren verbreite. Ihr Held war ein hcrrcnhuthischerKopfhänger, der noch stillere Zuhörer als sein viclbcwun-derter Amtsbrndcr hatte: denn er predigte meistens nurdem schlafenden Küster und den öden Mauern der Kirche.Fräulein Wimmcrling erhob aber die Salbung seiner Vor-träge bis in den Himmel, und empfahl dem Referendar,sich so oft als möglich dadurch zu erbauen.Ich selbst,"fuhr sic fort,werde durch Alter und Schwachheit gehindert,die weit entlegene LämmlcinSkirche zu besuchen, wie ich injünger» Jahren niemals versäumte; allein eben dcßhalbwerden Sie mich ungemein erfreuen und Ihnen verbinden,wenn Sie an meiner Stelle dahin geh», die Predigtengenau nachschrcibcn, und mir von Zeit zu Zeit mittheilen."Eine starke Zumuthung! Doch er versprach, ihr Genügezu thnn, und ward für diese Bereitwilligkeit herrlich be-wirthct. Dennoch war cs ihm, wie man denken kann, keinErnst, sein Wort in Person zu erfüllen. Er bestellte einenalten Magister zu seinem Vikar, brauchte aber die Vor-sicht, Sonntags früh auszugehcn, seinen Weg nach derGegend der LänmilcinSkirche zu nehmen und in einem dortin der Nähe befindlichen Wcinhause so lange zu frühstücken,bis der Gottesdienst beendigt war. Abgcrcdctcr Maßenkam nun der graue Meister der sieben freien Künste in dieWeinstube, übergab de» nachgeschriebcnen Sermon, undempfing seine Gebühr. Thomas ging ehrbar nach Hanse,schrieb die Predigt ins Reine, lieferte sie gegen Abend ab,erquickte sich an Beatens gut besetztem Tische, und erhieltbisweilen sogar ein halbes oder ganzes Dutzend Dukatenzu Papier und andern Schrcibcmatcrialicn.