»D 34
zu allen Stunden des Tages anzntrcffcn war. Ein Witzboldnannte ihn dcßhalb den Kellcrwurm, und bald warer der ganzen Stadt unter diesen: Namen bekannt. AndereSpaßmacher hießen ihn den Viertclsmcister, weil er seineWcinstndie» gewöhnlich mit einer halben Flasche begann,und mit Vicrtclchcn so lange fortsctztc, bis ihm der Kopfrauchte. Der letztere Schcrztitcl kam jedoch wenig in Um-lauf. Der Kellerwnrm behielt die Oberhand.
Es gibt finstre, mit der R i p p kn o r p c > s u ch t * be-haftete Menschen, die von dergleichen Kcilerwnrmcrn wenighalte» und ihnen öffentlich nachsagen: sic untergruben ihreGesundheit und tödtctcn auf eine unnutze Art ihre Zeit.Solche milzsnchtigc Urthcile wurden aber durch unfernThomas Kellerwnrm — so nannte man ihn all-gemein — völlig zu Schanden gemacht. Er blühte wieeine Rose, verhinderte durch geselliges Vierteln mit lusti-gen Kompancn, daß kein Galldnnst (wie der belobteSprachkünstler die Melancholie nennt) in ihm anssteigcnsonnte, und gewann auch sogar durch seine treuen Dacchus-dicnste ein Aemtclic», wobei er nicht erst, wie mancher an-dere Beförderte, hoffen und harren durste, daß ihm Gott, nachdem bekannten Sprichwortc, den dazu erforderlichen Ver-stand geben werde, denn er besaß ihn schon. Er wurdenämlich zum Oberhaupt und Direktor derjenigen Polizei-Personen ernannt, welche von der Regierung den Auftragerhielten, die Wcinlägcr der öffentlichen Gast- und Trink-häuscr in Rücksicht ihrer Aechthcit und Unschädlichkeit fürden menschlichen Körper zu untersuchen, weil einige ge-wissenlose Weinschenkcn ihren elenden Krätzer durch giftigeMittel für den Geschmack verbessert, und auf diese men-
* St) dolmetschte der deutsche Sprachoerbesserer, Doktor Saif-fert in Paris, das undeutfche Wort Hypochondrie.