Druckschrift 
2 (1847) Thomas von Pampel. Unterhaltungen für müßige Stunden
Entstehung
Seite
49
Einzelbild herunterladen
 

-oA 4i>

Dreizchntes Kapitel.

Der Weinprozeß und der Streit über einen Bettler.

Die erste Proceßsache, die der neue Geschäftsmann zumVortrag erhielt, wählte sei» günstiges Schicksal offenbarfür ihn aus, damit er das Licht seiner Gelehrsamkeit so-,gleich auf den höchsten Leuchter stellen konnte. Sic betrafdie Klage eines Domherrn gegen einen Wcinhändlcr, derseinem vornehmen Kundmaun verschiedene Weine gelieferthatte, die der feine Züngler für sauer und verdorben er-klärte. Proben davon befanden sich bei den Akten. DerReferent kostete sie so lange, bis alle Flaschen leer waren,und entwarf dann über die Beschaffenheit derselben eineben so wcitlänftigcs als gründliches Gutachten, das dererfahrenste Weinvisicrcr nicht besser hätte ansarbcitcn kön-nen. Als er dieses Meisterwerk im Collcgio vorlas, erstaun-ten alle Negicrnngsräthe über die Weisheit ihres jungenMitglieds, und versprachen sich große Dinge von ihm.Die Sache wurde ganz nach seinem unmaßgeblichen Aus-spruch entscheiden. Der Domherr gewann den Proceß,und war so dankbar, dem gelehrten Referenten ein Fäß-chcu Burgunder zu senden, das die schärfste Kritik aus-hiclt.

Weniger Ehre legte der Herr Referendar Thomas beieinem andern Rcchtöhandcl ein, den er bald darauf unter

Lnngbcin'ö säiniml. Schr. VI. Bd. 4