Druckschrift 
2 (1852)
Entstehung
Seite
77
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St. Cläre.Du weißt wohl, daß dem nicht so ist. Da ist Mammy,das beste Geschöpf, das da lebt;was könntest Du ohne sie an-fangen?"

Mammy ist die Beste, die ich je gekannt habe," sagte Marie,und doch ist sie selbstsüchtig, furchtbar selbstsüchtig; das ist der Fehlerder ganzen Raee."

Selbstsucht ist wirklich ein furchtbarer Fehler," sagte St. Cläresehr ernst.

Nun," sagte Marie,ich denke doch, es ist von Mammy sehrselbstsüchtig, während der Nacht einen so gesunden Schlaf zu haben;sie weiß, daß ich beinahe stündlich kleine Aufmerksamkeiten brauche,wenn es schlimm mit mir geht, und Loch ist sie so schwer zu erwecken.Heute Morgen gehüs mit mir viel schlechter, blos wegen der Anstreng-ung, die ich vergangene Nacht machen mußte, um sie zu wecken."

Hat sie nicht kürzlich viele Nächte bei Dir gewacht, Mama?"sagte Eva.

Woher weißt Du das? " fragte Marie scharf.Sie hat sichwohl darüber beklagt, vermuthe ich."

Sie hat sich nicht beklagt; sie sagt mir nur, was für schlechteNächte Du gehabt hättest so viele hinter einander."

Weshalb läßt Du nicht Jane vdcr Rosa ihren Platz für eineoder zwei Nächte einnchmen," sagte St. Cläre,und sie ausruhcn?"

Wie kannst Du mir so etwas zumuthen? " entgegnete Marie.St. Cläre, Du bist wirklich sehr rücksichtslos! So nervös, wie ichbin, stört mich der leiseste Athcmzug, und eine fremde Hand würdemich völlig rasend machen. Wenn Mammy für mich die Theilnahmefühlte, die sie fühlen sollte, so würde sie leichter erwachen, natürlich.Ich habe von Leuten gehört, die solche ergebene Diener hatten; abermein Loos war das nie." Und Marie seufzte schwer.

Miß Ophelia hatte dies Gespräch beobachtend und ernst ange-hört und sie hielt ihre Lippen fest zulammengepreßt, als wäre sie ent-schlossen, ihre Lage erst genau zu prüfe», bevor sie sich äußerte.

Ja, Mammy hat eine Art vvu Güte," sagte Marie;sie istsanft und ehrerbietig, aber ihr Herz ist selbstsüchtig. Nie hört sieauf, um ihren Mann zu klagen. Als ich mich verheirathete und hier-her zog, brachte ich sie natürlich mit mir, doch ihren Mann konntemein Vater nicht entbehren. Er war Schmidt und deshalb sehr noth»