Druckschrift 
2 (1852)
Entstehung
Seite
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Einmal überzeugt von demPfade der Pflicht," wie sie es gewöhn-lich nannte, der in irgend einer gegebenen Richtung lag, konntenFeuer und Wasser sic nicht davon abbringen. Sie wäre geradezu ineinen Brunnen oder gegen die Mündung einer geladenen Kanone ge-gangen, wäre sie überzeugt gewesen, daß dahin der Pfad führte. IhrBegriff vom Rechte war so hoch, so Alles umfassend, so ängstlichund machte der menschlichen Gebrechlichkeit so wenige Zugeständnisse,daß, obgleich sie demselben stets mit heldenmüthigem Eifer zustrebte,sie es doch nie wirklich erreichte und deshalb beständig mit einem Ge-fühl beängstigenden Mißtrauens belastet war, Dies gab ihrem reli-giösen Charakter einen strenge» und etwas düstern Ausdruck.

Wie in aller Welt konnte nun Miß Ophelia mit Augustin St.Cläre auskommeu, dem heitern, lustigen, unpünktlichen, unpraktischen,skeptische» Menschen, kurz, mit einem Menschen, der mit unverschäm-ter und nachlässiger Freiheit über ihre theuersten Gewohnheiten undMeinungen hinwegschritt?

Die Wahrheit zu sagen, so liebte Miß Ophelia ihn. Als erein Knabe war, hatte sic ihn in dem Katechismus unterrichtet, seineKleider ausgebeffcrt, sein Haar gekämmt und ihn im Allgemeinen aufden Weg gebracht, den er verfolgen sollte. Ihr Herz war leicht er-wärmt, und Augustin hatte, wie bei den meisten Menschen, für sicheinen großen Theil davon in Anspruch genommen; deshalb gelang esihm leicht, sie zu überreden, daß derPfad der Pflicht" in der Rich-tung nach Neu-Orleans läge, und daß sie mit ihm gehen müßte, umfür Eva Sotge zu tragen und Mancherlei während der häufigenKrankheiten seiner Frau vor Schiffbruch und Verderben zu retten.Der Gedanke eines Haushalts, für den Niemand sorgte, drang geradein ihr Herz; dann liebte sie das liebliche kleine Mädchen, und obgleichsie Augustin beinahe als eine» Heiden betrachtete, liebte sie auch ihn,lachte über seine Scherze, hatte Nachsicht mit seinen Fehlern, undzwar in einem Grade, den Alle, die sie kannten, für unglaublich hiel-ten. Doch was noch weiter oder näher von Miß Ophelia zu wissennöthig ist, müssen unsere Leser durch persönliche Bekanntschaft ent-decke».

Da sitzt sie in ihrem Staatsgemache, umgeben von einer gemisch-

ten Menge kleiner und großer Körbe, Schachteln, Kästchen, jedes