Atticus. 225
Mocilla, den Sohn Desselben, und AuluS Torquatus, sowie die Uebrigen, die von gleichem Mißgeschicke betroffen waren,zu schützen, und ließ ihnen Alles swas sie nöthig hatten^ ausEpirns »ach Samothracien ') bringen. Zu schwer ist es,und auch nicht nöthig, alle einzelnen Züge anzufiihren. Nurdicß Eine wünschte ich einleuchtend zu machen, daß seineFreigebigkeit weder aus Berechnung der Zcitnmstände, nochans schlauer Selbstsucht hervorgiug. Man kann Dieß ausder Sache und den Zeitnmständen selbst abnehmen, da ernicht bei Denen, die im Besitze der Macht und des Glückswaren, sich geltend zu machen suchte, sondern immer denBedrängten zu Hülfe eilte. Ehrte er doch Servrlia, Brutus'Mutter, nach dem Tode Desselben noch ebenso, wie zur Zeitseiner Macht und seines Glücks. Bei einer solchen Anwen-dung seiner Freigebigkeit gerieth er in keine Feindschaften,da er Niemand beleidigte, und selbst wenn er gekränkt wurde,nie die Rache dem Vergessen vorzog. Unvergänglich be-hielt er dagegen empfangene Wohlthaten im Gedächtnisse;was er aber selbst erwiesen hatte, blieb ihm mir so lang imAndenken, als der Empfänger dankbar war. So bewies erdurch die Tbat die Wahrheit jenes Ausspruches: Jeder bil-det sich durch seinen sittlichen Charakter sein Glück. Atticusjedoch bildete erst sich selbst und dann erst sein Glück, indemer sich hütete, in irgend Etwas sich einem gerechten Vor-wurf anszusctzen.
") Diese Insel im Archipel war bei den Alten heilig geachtet,und galt als Freistätte.