250
Der dritte Akt drang sofort nach und hob durch dieununterbrochene Fortsetzung des Kunst-Zaubers — welche jedemSchauspiel und jedem gelesenen Kunstwerk gebührte — allesprosaische kalte Erstaunen auf, sogar das über das wunder-bare Sprechen der Dohle auf dem See. Eine große schönestolze Frau erschien — Athenais (von der Kanfmannsfrau,Roquairols Nebcngeliebte, gespielt), voll Hoffmmg aus ihrealte Freundin Lilia, die sich „die kleine -Athenais" nannte,und süß nachträumcnd den Traum der vorigen Zeiten. Liliasinkt in ihre Arme mit doppelten Thränen; in ihrer Handträgt Athcnais ja drei Himmel und dressHöllen. „Wie schönkommst du wieder! — Mein armer Bruder!" sagte Lilia leise.
— „Nenn' ihn nicht (sagte sie stolz), er kann für mich ster-ben, aber ich kann nicht für ihn leben." — Hier fliegt Car-los herein zu seiner Lilia — erstarrt im Fluge — fasset sichund nähert sich Lilia. Diese sagt: „Graf Salera — Athe-uais" — er wurde blaß, diese roth. Eine peinliche engeVerwirrung verstrickte sie drei; jeder Honigtropfcn wurde auseiner Dornhecke geholt. Lilia wird schaudernd immer stärkerAthcnais plötzlichen Sieg über ihr Glück und Lieben gewahr.Athenais ging ab. Beide Liebende sehen sich lange zitterndan: „Hab' ich Recht?" fragt Lilia. „Hab' ich Schuld?"sagt Carlos. „Nein, (sagte sic) denn du bist ein Mensch und,was noch schlimmer, ein Mann." — >„WaS soll ich dennthnn?" versetzt Carlos. „Du sollst (sagte sic feierlich) nacheinem Jahr in einen Garten auf einer Höhe gehen und dichumsehcn und mich suchen im Garten — im Garten — unterden Beeten — tief unter Einem — ich weiß nicht wie tief"
— Sic eilte wie wahnsinnig davon und sang: „vorüber, vor-über, das Lieben und Leben!"