241
liche Vergangenheit in die Zukunft brachte — ach, kann ichdir denn alles sagen an diesem Orte?" — Zum Glück hörtesie — gleich andern Frauen weniger ans Worte als aufMienen, Winke und Thaten merkend — mehr mit dem gei-stigen als leiblichen Ohre und trat nicht in den so nahe auf-gesperrten Abgrund seiner Worte. So spielten jetzt beide,wie Kinder, neben der kalten mit Donner dnrchzognen Gcwit-terstange, aus welcher bei der kleinsten nähern Nähe die blitzendeSense des Todes fährt.
Beide gaukelten neben dem Gewitter fort. Die Sonnezog neben dem kleinen Berge und ebenen Blumen-Grabe mitihren Flammen in die fernen Ebenen hinein. Aus dem tie-fen Prinzengartcn flatterten Töne durch die langen Abcnd-stralen heraus und vergötterten die goldne Gegend. — DieTöne waren einsame Schwingen, die sich ihr Herz suchten unddann an ihm weiter flogen — und die liebenden Herzen wur-den voll Flügel — Die Strecken sanken, die Töne stiegen —Um Linda und Albano lag ein golducr Kreis aus Gärten undBergen und grünen Tiefen und jede Blume schwankte reichunter dem letzten Gold und wurde die Wiege des Auges, dieWiege des Herzens — Die Liebenden blickten sich und dieErde begeistert an, die glänzende Welt erschien ihnen nur imZanbcrspiegcl ihrer Herzen und beide selber waren darin leuch-tende schwebende Bilder.
„Linda, ich will sanfter werden (sagt' er), bei der Hei-ligen schwör' ich's, in deren Garten wir stehen!" -— „Werd'es, Lieber, in Lilar warst du cs eben uicht!" sagte sic. Erverstand cs von dem Sturme gegen Liane: „verhülle dicßAndenken in deine Liebe!" sagt' er erröthend. Sie sah ihnjungfräulich an, ihr Inneres war jungfräulich geblieben und
Iran Paul'« auSgew. Werke. XII. lg