Druckschrift 
12 (1848) Titan : vierter Band
Entstehung
Seite
158
Einzelbild herunterladen
 

158

119. Z y r e l.

Albano und Dian flogen über die deutschen Gefilde freu-dig so manchem thcucrn Herzen entgegen und nichts wurdegetäuscht als ihre Furcht vor dem Abstande ihrer Reise-Länder. Statt des schwarzen Lavasandcs und des verbranntenBodens hinter ihnen deckte jetzt das Helle frische Grün dieEbenen und kühlte das geblendete Auge. Die Wellen grünerAchrcn-Fluren schlugen sich so lustig als die Wellen des blau-grünen Meers. In dichter», länger», höher» Wäldern wehtenneue Schatten, gleichsam schöne kleine Abende, die sich vordem Tag verkrochen. Nach dem schwarzen Grün der welschenBäume kehrte das Helle lachende der deutschen Gärten zurück;und neue Vögel-Chörc wiegten sich in Wolken und in Wäl-dern und grüßten das Menschen-Herz und schickten ihm ihreleichte schuldlose Freude herab.

Von Frühling zu Frühling zog der glückliche Albano mitseinen Liebestränmen; wie hinter ihm eine südliche Blüte fiel,so that sich vor ihm eine nördliche aus; und sein Ncisewagenblieb auf dem bunten Wege und unter den Blüten-Schatteneines langen Gartens.

Endlich stand er vor dem Hause, wozu ihn der Gartenführte, vor der Lindcnstadt; so stand er auch im vorigen Jahreans der Höhe vor ihr, zum Wolkenzüge der Zukunft aufsehcnd,ohne zu crrathcn, wozu das Gewölk' sich bilde, ob zur Au-rora, oder zum Abendgcwittcr. Wie viele alte Schmerzenstreiften jetzt gleich Schatten von Wolken über die alte Gegendüber die Blumenbühler Höhen und über die Häuser hinüber