109
Dich habe und hatte! Dauert deun der zweitägige Götter-Traum noch herüber ins kalte Heute? Du bist jetzt so fernund stumm und ich höre kein Ja. Als ich in Rom auf derPetcrskuppel in den blauen Morgenhimmel sah und das Lebenum mich brausend schwoll, wie die Lüfte mich umwehten: sowar mir, als müßt' ich mich in ein fliegendes Königsschiffwerfen und ein Ufer suchen, das unter dem tiefsten Sternbildgrünt; als müßt' ich wie eine Kaskade hinabflattern durchden Himmel und mich drunten durch das steinige Leben rei-ßen, dringend und zerstörend und tragend. Und so ist mirjetzt wieder und noch stärker; ich möchte zu Dir hinüber-fliegen nnd sagen: Du bist mein Ruhm, mein Lorbeerkranz,meine Ewigkeit, aber ich muß Dich verdienen; ich kann nichtsfür Dich thun, außer für mich. — In der alten Zeit warengeliebte Jünglinge groß, Thaten waren ihre Grazien und derPanzer ihr Feierklcid. — Heute als ich auf den Golf vonBaja und aus die Ruinen hinübersah, wo die Gärten undPalläste der großen Römer noch mit Trümmern oder Namenliegen; und als ich die alten trotzigen Riesen stehen sah mit-ten in Blumen und Orangen und in lauen Dustlüften, davonerquickt, aber nicht erweicht, mit der Hand den schweren Drei-zack hebend, der drei Weltthcile bewegte, und mit der mar-kigen Brust entgegcntretend dem Winter in Norden, der Glutin Afrika und jeder Wunde: da fragte mein ganzes Herz: bistdu so? O Linda, kann der Mann anders scyn? Der Löwegeht über die Erde, der Adler geht durch den Himmel undder König dieser Könige habe seine Bahn auf der Erde undin dem Himmel zugleich. Noch war und that ich nichts; aberwenn noch das Leben ein leerer Nebel ist, kannst Du ihn über-steigen, oder festgreifen und zerschlagen? Willst Du einmal.