375
Da trat mit noch halb zurückgcwandtcm Kopse eine große Ge-stalt herein, ganz in lange schwarze Seide eingehüllt. Wie einentzückter Mond auf hohen Laubgipscln, stand ans der seidncndunkeln Wolke ein üppig-blühender schmuckloser Kopf voll Le-ben vor ihm, mit schwarzen Augen voll Blitze, mit dunkelnRosen auf dem blendenden Gesicht und mit einer thronendenSchnee-Stirn unter dem braunen Locken-Ucbcrhang. — —Schoppen war, da sic ihn ansah, als liege sein Leben im vol-len Sonnenschein, und er fühlte ängstlich, daß er sehr nahean der Königin der Seelen stehe. „H. v. Augusti (fing sie„ernst an) hat mir gesagt, daß Sie eine Bitte für Ihren kran-„kcn Freund in meine Hände geben wollen. Sagen Sie mir„solche klar und frei, ich werde Ihnen gern und bestimmt und„offen antworten."
Alle Rollen-Erinnerungen waren in ihm zu Boden ge-sunken und aufgelöst; aber der große Schutzgeist, der unsicht-bar neben seinem Leben flog, stürzte sich mit feurigen Flügelnin sein Herz und begeistert antwortete er: „Auch ich!—Mein„Albano ist tödtlich krank — er ist im Fieber seit gestern„Abends — er liebte das verstorbene Fräulein Liane — er„ist aus die Greisgcicr-Schwinge des Fiebers gebunden und„wird hin und her gerissen — er stürzt bei jedem Glockcn-„Ausklang ans die Kniee und betet, dicht an der Glntscite der„Phantasie liegend, immer heißer: erscheine mir und gib mir„Frieden — er steht aufrecht und angckleidet aus dem hohen„Scheiterhaufen der phantastischen Kreis-Flammen und lechzet„und brät und dorret sehr aus und krümmt sich nieder, wie„ich wol sehe. . . ."
„0, llnisses ckonc! (sagte die Gräfin, welche den Venus-