314
trat, um den modischen Weltlauf so zu verdammen wie einKasscl'schcr Gassenkehrer.
Albano las mit äußerer und innerer Glut — nicht gegendie lesende, sondern gegen die vorgelcsene Fürstin, aus Ange-wohnheit seines unter dem Leben fortglühcndcn Herzens —und die Fürstin las die Nolle ihrer Nolle freilich sehr gut,Ihr artistisches Gefühl sagte ihr es — auch ohne Einblasendes zärtlichen — daß in Göthe's Lasso — der sich meistensznm italiänischcn Lasso verhält wie das himmlische Jerusalemznm befreiten >— die Fürstin fast die der Fürstinnen ist; nieging der Musen- und Sonnengott schöner durch das Stern-bild der Jungfrau als hier. Nie wurde die verschleierte Liebeglänzender entschleiert.
Der Minister las den auf Lasso und Albano einzankcndcnKraft-Prosaiker Alphonso so gut weg wie ein reitender Trom-peter die. festen Noten ans seinem Aermcl; in der That, er fandden Mann ganz verständig.
Die Prinzessin mochte im allgemeinen poetischen Konzertungefähr einige Viertelstunden mit der Ripicnstimmc mitgc-sprochen haben, als sie Plötzlich den schönen Band von Göthe'sWerken, der dreimal da war, lebhaft hinwarf und mit ihremUngestüm sagte: „eine dumme Rolle. Ich mag sic nicht!" AlleWelt schwieg; die Fürstin sah sic bedeutend an; die Prinzessindiese noch bedeutender, und ging hinaus, ohne wieder zu kom-men. Eine Hofdame las gelassen fort.
Für die meisten Anwesenden war dieses Zwischen-Schau-spiel eigentlich das interessanteste; und sie dachten ihm unterdem Lesen des Letzter» gern weiter nach. Die Fürstin, welchelängst geglaubt, jene liebe den Grafen, srcuete sich über dieUnbesonnenheit ihrer Gegnerin. Albano, ob ihm gleich ihr