Briefs entdecken dürfe, aber doch nicht lange; „soll ich dem„Freund (sagt' er) verhehlen und vorgaukcln? Darf ich ihn„als schwach voraussctzcn und die Beschleunigung der Ver-hältnisse scheuen, die doch mit Ihr kommen?" —
Sobald Karl zu ihm kam, sagt' er ihm zuerst die Ab-reise und sogar die Bitte um dessen Mitreisc, bewegt vonder ersten Trennung seines Jugendfreundes. Der Hauptmann— dessen Herz immer den Sangbodcn der Phantasie zum An-klang brauchte — war auf der Stelle nicht vermögend, be-trächtliche Empfindungen über den Abschied zu haben und zumalen. Da gab ihm Albano — über die Lippe könnt' cr'snicht bringen — den ganzen Brief.
Unter dem Lesen wurde Roquairols ganzes Gesicht häß-lich, sogar in des Freundes Auge. — Er schleuderte dannein so flammendes Zornauge gegen Albano, daß dieser eserwiderte, unwillkürlich und unwissend. „O, wahrlich, ichversteh' Alles (sagte Karl). So mußt' es sich lösen. Wartenur bis morgen!" Alle Muskeln an ihm waren rege, alleZüge irre. Alles bewegt, so wie im heftigen Gewitter kleineWölkchen umeinander wirbeln. Albano wollte ihn fragen undhalten. „Morgen, morgen!" rief er und stürmte davon.
87. Z y k e l.
Am Morgen erhielt Albano einen sonderbaren Brief vonRoquairol, zu dessen Vcrständniß einige Nachrichten von sei-nem Verhältniß mit Rabetten vorausstchcn müssen.
Nichts ist schwerer, wenn man seinen Freund recht liebt,als dessen Schwester kaum anzuschen. Nichts ist leichter —nur das Umgekehrte ausgenommen -— als nach der Entzau-