Druckschrift 
11 (1848) Titan : zweiter und dritter Band
Entstehung
Seite
160
Einzelbild herunterladen
 

160

gen, klopfte an Albanos Thüre ein leiser Finger, der einerweiblichen Hand gehören mußte. Liane trat so früh schonherein; Rabette und Karl riefen draußen einen lanten Gruß.An seiner jauchzenden Brust lag das schöne, vom Gehen blü-hende Mädchen mit seligen, Hellen Augen, eine frisch-bc-thauctc Rosenknospc. Es warsein schönster Morgen, er fühlterein, daß Liane liebe. Als die Acolsharfc cinklang, sah siehin, erinnerte sich crröthend an den schönsten Bundcs-Abcndund hörte still zu, und trocknete das Auge, da sie cs wiederauf Albano wandte. Aber er konnte in diesen Tempel derFreude nicht cintreten, ohne sich gereinigt und geheiligt zuhaben durch Offenheit über seine nculichen Jrrthümer. Welchersüße Wettstreit um Bekennen und Vergeben, da Liane liebenderschrak und bekannte, daß sie ihn neulich nicht errathcndaß nur sie die Schuldige sei und daß sic jetzt schon bessersprechen wolle. Sie konnte sich über die verdeckten Schmerzen,die sic ihrem Freund gemacht, gar nicht zufrieden geben. WieMahagony-Geräthc in keiner Temperatur bricht und keine Fleckenannimmt und kein Polircn bedarf: so ist dieses Herz, fühlteAlbano, der sich nun schwur, überall, auch wo er sie nichtcrrathe, zu sich zu sagen: sie hat Recht.

Sic lösetc ihm das Näthsel ihrer heutigen Erscheinungmit jenen freundlichen Mienen, welche ein guter Mensch ver-doppelt, wenn er etwas zu versüßen hat;sic gehe nämlichheute nach Pcstitz zurück aber spät, erst Abends, erst umdie Thcezcit komme der Wagen, und ihnen bleibe ein ganzerTag; und sie hoffe nicht, daß ihr Vater diesen Umweg überLilar für eine» Bruch ihres Versprechens nehmen werde."Ein liebendes Mädchen wird unbewußt kühner. Daraussuchte sie ihn über die friedlichen Absichten ihres Vaters recht