Druckschrift 
11 (1848) Titan : zweiter und dritter Band
Entstehung
Seite
129
Einzelbild herunterladen
 

1129

besser, da die Menschen noch dcinüthig waren und zu Gottbeteten in der großen Entzückung; denn neben dein Unend-lichen senkt sich das scnrige Auge und weinet, aber nur ansDankbarkeit.

Kein kleinliches Kalcndcrmaß werde an die schöne Ewig-keit gelegt, die er nun lebte, da er die Geliebte jeden Abend,jeden Morgen in ihrem Dörfchen sah/ Als Abendstcrn gingsie vor seinen Träumen, als 'Morgenstern vor seinem Tageher. Den Zwischenraum füllten beide mit Briefen ans, diesie einander selber brachten. Wenn sic Abends schieden, nichtweit vom Wiedersehen, und dann in Norden unten am Him-mel schon die Nosenknospcn-Zweige hinliefen, die unter demMenschcnschlafe schnell nach Osten hinwnchsen, um mit tausendanfgeblühtcn Rosen vom Himmel herabznhängcn, eh' die Sonnewieder kam und die Liebe und wenn sein Freund KarlNachts bei ihm blieb und er nach einer Stunde fragte, woherdas Licht komme, ob vom Morgen oder vom Mond undwenn er anfbrach, da noch Mond und Morgen in den thaucn-den Lnstwäldcrn znsammcnschicncn, und wenn ihm der Weg,vor einigen Stunden zurnckgclegt, ganz neu vorkam und dieAbwesenheit zu lange (weil Amors Pfeil halb ein Sekunden-zeiger ist, der den Monatstag, und halb ein Monatszciger,der die Sekunde weiset, und weil in der Nähe der Geliebtendie kleinste Abwesenheit länger dauert als in ihrer Ferne diegrosse) und wenn er sic wieder fand: so war die Erde einSonucnkörpcr, aus welchem Stralcn fuhren, sein Herz standin lauter Licht, und wie ein Mensch, der an einem Frühlings-morgcn von dem Frnhlingsmorgcn träumt, ihn noch Hellerum sich findet, wenn er erwacht, so schlug er nach dem seli-Zcan Paul's ausgew. Werke. XI. 0