118
in das Abcndgcwölk waren breite Fcncrfahnen gepflanzt nnddas Sonnenaugc schloß sich blutend zu. — —
Auf einmal faltete Liane wie betend die Hände und lächeltennd erröthcte; da hob sic den Schleier von den göttlichenAugen, und die Verklärte, vom Roscn-Wiederschein angestralt,sah ihn zärtlich an — und schlug das Auge nieder — undhob cs wieder auf—und senkt' cs nieder — und der Schleierfiel wieder vor und sie sagte leise: „ich will dich lieben, guter„Albano, wenn ich dich nicht elend mache." — „Ich sterbe
„mit dir, sagt' er, was ist's?"-Und nun verhülle die
heilige Wolke den Sonnengott, der flammend durch seine Sternezieht!-
Seine Einsamkeit und Liancns Auflösung so vieler Wun-der wurden durch den Eintritt Nabcttens und Karls verscho-ben, welche beide mehr gerührt als beglückt schienen, sic durchdie tröstende Nähe des Geliebten, er durch die sonderbare Lageund durch den zwingenden Abend; denn gewissen Menschen gehtein Sturm nach und sic müssen die Schritte, die sie thun, widerWillen schneller machen.
Als Albano wieder mit dem Fricdcnscngcl seines Lebens,mit der Geliebten, die mitten im Rauschen der Gefühle dochdie Stimme ihrer Freundin hörte, allein vorausging auf denFelsen-Damm zwischen duftenden Tcmpethälcrn in der däm-mernden Welt: so war ihm, als habe sich sein Leben wie einAdler durch eine Sturmwolkc durchgcarbcitct und der schwarzeSturm laufe unter seinen Flügeln weiter und der ganze Ster-nenhimmel brenne hell über seinem Haupt. Liane, jungfräu-lich-edel und fest, gab ihm, eh' er eine Frage gcthan, die Ant-wort: „Ihnen muß ich nun ein Gchcimniß sagen, was ich„jedem und sogar meiner Mutter verbarg, weil es sie bcun-