Druckschrift 
11 (1848) Titan : zweiter und dritter Band
Entstehung
Seite
116
Einzelbild herunterladen
 

116

zu sorgen, die er wie alles Unwillkürliche, z. B. die Kinder,wie aus der ersten Hand Gottes kommend liebte; alles seigöttlich, sagt' er, und nichts irdisch als das Unmoralische. Erkonnte keine Bienen schwefeln, keine Blumen im Scherben-Käfig verdursten lassen, kein abgetriebnes, wundes Pferd er-tragen und ging vor einer Fleischbank nur mit schauderndenGliedern vorüber.

Wollen wir (sagte der Freund Karl) den herrlichen Abendauf der prächtigen Bergstraße cinnehmcn und dein Donner-häuschcn besehen und jeden Leidens-Kelch heruntcrwerfeu indie Thäler hinein?" Welche magische Nachbarschaft durch-zogen sie nun auf dem gebognen Gebirge zum Donnerhäus-chen! Zur Rechten gleichsam den Okzident der Natur, zurLinken ihren Orient vor ihnen das prangende Lilar in derAbcndfecrci der glänzenden Rosana in den Armen liegend Achrengold hinter Pappclsilber und darüber den Him-mel, gefüllt mit lebcnstrunkncn lärmenden Wesen und derSonnengott schreitet über seinen Abend weg und bückt sich einwenig unter der Mitternacht, um in Osten das goldne Hauptzu erheben. Albano ging an Lianens heiliger Hand voraus.O wie ist alles so schön! (sagt' er). Wie rauschet die auf-geblättcrtc Weltkarte mit langen Flüssen und Wäldern wiesonnen sich die Morgeubcrge in fester Ruhe wie steigendie Haine mit glühenden Stämmen die Hügel hinauf manmöchte sich in die rauchenden Thäler stürzen und in die kal-ten glänzenden Wellen ach Liane, wie ist alles so schön!"Und Gott ist auf der Welt!" sagte sieund in dir!"sagte er und dachte an das Wort des Greisen, daß die LiebeGott meine und er im Herzen wohne, das wir ehren.

Jetzt rollten ihm schon die großen Wogen entgegen, welche