93
Boden, dic das Blütenglöckchcn senkt — sie war eine sterbendeHeilige in der Andacht der Harmonie, die sic mehr hörte alsmachte — nur die rothe Lippe nahm sie als einen feurigenWiedcrschcin des Lebens, als eine letzte Rose mit, die den eilen-den Engel schmückt — o könnt' er dieses Beten der Tonkunststören mit seinem Wort? —
Mit immer cngcrn Kreisen faßten ihn die magnetischenWirbel der Töne und der Liebe an. — Und nun da das Zie-hen der Harmonika wie das Wasscrzichcn der stechenden Sonnesein Herz anfleckte — und da die Blitze der Leidenschaft übersein ganzes Leben fuhren und das Gebirge der Zukunft unddic Höhlen der Vergangenheit beleuchteten, und da er seinganzes Daseyn in einen Augenblick znsammcnsaßte: so sah cr-emige Tropfen aus Liancns gesenkten Angen quellen, und sieblickte heiter ans, um sie fallen zu lassen — da riß Albanodie Hand ans den Tönen und rief mit dem herzzcrschneidendcnTon seiner Sehnsucht: o Gott, Liane! —
Sie zitterte, sic erröthctc, sic sah ihn an und wußte nicht,daß sie fortwcintc und ansah und nicht mehr fortspielte. —„Nein, Albano, nein!" sagte sie sanft und zog die Hand ausseiner und verhüllte sich — erschrak über den Stillstand derTöne — und ermannte sich und ließ sic wieder langsam strö-men und sagte mit zitternder Stimme: „Sic sind ein edler„Mcnsch — Sie sind wie mein Karl, aber eben so heftig. —„Nur Eine Bitte! — Ich verlasse die Stadt eine Zeit-„lang".
Sein Erschrecken darüber wurde Entzückung, als sie denOrt bestimmte, sein Blumcnbühl. Sic fuhr mühsam fort vor-dem Erfrcuetcn — ihre Hand lag oft lange aus der Dissonanzim Vergessen der Auflösung — ihre Augen schimmerten feuchter,