68
wehend über die Garten-Blüten — und die Töne wiegten sichauf den dünnen Lilien des anfwachsenden Wassers, und dieSilderlilien zersprangen oben vor Lust und Sonne in flam-mige Blüten — und drüben ruhte die Mutter Sonne lächelnd
in einer Aue und sah groß und zärtlich ihre Menschen an.-
Hältst du denn dein Herz, Albano, daß es mit seinen Freu-den und Leiden verborgen bleibt, wenn du die stille Jnngsranim Mondschein der Töne wandeln hörst? O wenn der Ton,der im Acthcr vertropft, ihr das frühe Verrinnen ihres Le-bens ansagt, und wenn ihr die langen weichen Melodien alsdas Rosenöl vieler zerdrückter Tage entfließen: denkst du darannicht, Albano? — Wie der Mensch spielet! Die kleine He-lena wirft mit Anrikcln nach den lodernden Wasseradern, da-mit sie eine mit aufschlcndcrn; und der Jüngling Zesara bücktsich weit über das Geländer und lässct an der schiefen Handden Wasscrstral ans sein heißes Gesicht und Auge abspringcn,um sich damit zu kühlen und zu verhüllen. — Durch seineSchwester wurde ihm der feurige Schleier geraubt, Rabcttcgehörte unter die Menschen, welche dieses tönende Beben sogarphysisch zernagt — so wie wieder den Hauptmann die Har-monika wenig ergriff, der immer am wenigsten gerührt war,wenn cs andere am meisten waren —; die Unschuldige war mitkeinen Schmerzen weniger vertraut als mit süßen; die bitter-süße Wehmuth, worein sie in der müßigen Einsamkeit derSonntage versank, hatten sic und andere blos für Verdrieß-lichkeit gescholten. Jetzt fühlte sic auf einmal mit Erröthcn ihrrüstiges Herz wie von heißen Strudeln gcfasset, umgcdrchctund durchgebrannt. Ohnehin war cs heute durch das Wicdcr-findcn des Bruders, durch das Verlassen der Mutter unddie verlegne Bangigkeit vor Fremden und selber durch den